Düsseldorfer Literaturkonzerte 2010

Literarisch-musikalische Feinkost 2010

Düsseldorfer Literaturkonzerte 2010
Mozart auf der Reise nach Prag

Donnerstag, 21. Januar, 20 Uhr
Stadtbücherei Düsseldorf, Bertha-von-Suttner-Platz 1
Eintritt frei


 „Meine Aufgabe bei dieser Erzählung war“, schreibt Mörike, „ein kleines Charaktergemälde Mozarts aufzustellen, wobei vorzüglich die heitere Seite zu lebendiger Anschauung gebracht werden sollte.“ Na, und wie er das hinbekommen hat, der große deutsche Lyriker und Schummel-Biograf – denn wahr ist an seiner Künstlernovelle kein Wort. Alles erfunden. Eine frei ausgesponnene Erzählung ist es geworden, die einen Tag im Leben Mozarts lebendig werden lässt: „Im Herbst des Jahres 1787 unternahm Mozart in Begleitung seiner Frau eine Reise nach Prag, um Don Giovanni dort zur Aufführung zu bringen. Am dritten Reisetag, den vierzehnten September, gegen elf Uhr morgens, fuhr das wohlgelaunte Ehepaar, noch nicht viel über dreißig Stunden Wegs von Wien entfernt, in nordwestlicher Richtung.“ Und wir fahren mit. Hören den beiden zu. Steigen unterwegs im Wald mit aus; Mozart, den es auf seinen Reisen durch ganz Europa getrieben hat, er hält plötzlich inne, und „jetzt steht von ungefähr der Gimpel Mozart in einem ordinären Tannenwald an der böhmischen Grenze, verwundert und verzückt, dass solches Wesen irgend existiert.“ In heiterer Melancholie lässt Eduard Mörike seine Erzählung ausklingen: „Brava! Bravissima!" rief Mozart laut und nahm sein Weibchen bei den Ohren, verküsste, herzte, kitzelte es, so dass sich dieses Spiel mit bunten Seifenblasen einer erträumten Zukunft, die leider niemals, auch nicht im bescheidensten Maße, erfüllt werden sollte, zuletzt in hellen Mutwillen, Lärm und Gelächter auflöste.“
 

Von der Karschin zu Sarah Kirsch

Donnerstag, 25. März, 20 Uhr
Stadtbücherei Düsseldorf, Bertha-von-Suttner-Platz 1
Eintritt frei


Zum 75. Geburtstag von Sarah Kirsch

Man(n) glaubt es ja nicht: Da kam 1823 ein Schriftstellerinnen-Lexikon auf den Markt, und Jacob Grimm, der Literaturpapst, klagte in seiner Rezension des Werks über die wachsende Zahl schreibender Frauen, wo doch die Poesie „ein Amt und Geschäft der Männer“ sei. Lyrikfrauen hatten in der dichtenden Männerwelt immer einen schweren Stand. Im 20. Jahrhundert änderte sich das. Aber welche hat es tatssächlich bis in den Deutschunterricht der Gegenwart geschafft? Die Droste – ja. Aber wie ist es mit der Karschin? Anna Louisa Karsch, die der Dichter Gleim zur „deutschen Sappho“ ausrief; die mit Goethe in Briefwechsel stand. Oder Emerenz Meier, die Volksdichterin: „Ach, du weißt schon, wie ich's mein, / Teurer Erdenbruder, / Kein Gottvater pfuscht uns drein, / Sondern andre Luder.“ – Im März-Literaturkonzert sollen dem Herrn Grimm die Abfälligkeiten von damals heimgezahlt werden: Eine der großen alten Damen der Rezitation, Rose Krey, und die Schauspielerin Eva-Maria Coenen kommen mit einem ganz wunderbaren Frauenlyrik-Programm auf die Bühne. Die blutjunge 14jährige Pianistin Violeta Koshevatskaja (wiederholt 1. Preisträgerin bei "Jugend musiziert") wird mit Klassischem bis hin zu Prokofieff und Ravel die Texte kontrapunktieren – und Peter Welk darf mit Männer-Macho-Zwischenlyrik versuchen, Kontraste zu schaffen.
 

Werner Finck und Erich Kästner

Donnerstag, 6. Mai, 20 Uhr
Stadtbücherei Düsseldorf, Bertha-von-Suttner-Platz 1
Eintritt frei


Es ist die gleiche Generation. Es sind ähnliche Schicksale. Bei dem einen (Finck) hat es so angefangen: Ich war ein ausgesprochen zartes Kind. Bei dem anderen (Kästner) so: Ich war ein patentierter Musterknabe. Der eine fasst seine Lebensphilosophie so zusammen: Wir treiben auf dem Sinn des Lebens wie Blüten auf dem Ozean. Der andere so: Ich kam zur Welt und lebe trotzdem weiter. Den einen steckten die Nazis ins Gefängnis, und als sie ihn zurück auf die Kabarettbühne ließen, schritt der lange Mensch grinsend zur Rampe, hob die ausgestreckte Hand zum Gruß (glaubten die Spitzel unten im Parkett), und dann sagte der Lange: „So groß ist in der Zwischenzeit mein Hund geworden!“ – Der andere war eine international gefeierte Literaturgröße, hätte emigrieren können, er blieb aber in Deutschland – eine unerwünschte moralische Instanz, die von den Nazis nicht in den Griff zu kriegen war. Beide waren Meister der gekonnten Naivität – Finck wollte mal in die Politik und eine Partei gründen: die „Radikale Mitte“ – Kästner wäre vermutlich beigetreten, wenns mit der Gründung geklappt hätte. „Ich bin nur gern mit Pfeil und Bogen als Freischütz auf die Phrasenjagd gezogen“, reimt Finck – na, und wie der Kästner das gereimt hat, und wie man in Gesellschaft der beiden ganz unverhofft in den Pointenhimmel kommen kann, das alles wird im Mai-Literaturkonzert zu klären sein. Mit Peter Welk und dem Düsseldorfer Komponisten und Bandleader (Salsa Picante) Georg Corman.
 

Konzertpianist Till Engel

Konzertpianist Prof. Till Engel

Rose Krey

Rose Krey

Eva-Maria Coenen

Eva-Maria Coenen

Violeta Koshevatskaja

Violeta Koshevatskaja

Georg Corman

Georg Corman
Bandleader: Salsa Picante

Tango Tucholsky

Donnerstag, 24. Juni, 20 Uhr
Stadtbücherei Düsseldorf, Bertha-von-Suttner-Platz 1
Eintritt frei


Zum 75. Todestag von Kurt Tucholsky

Kurt Tucholsky ist immer Lieblingsautor aller Theaterleute gewesen. Die pointierten Texte, die so leichthin über die Rampe gehen, die hat er sich hart arbeitend „aus der Seele geschüttelt“ und die blitzfrechen Wahrheiten nie aus dem Ärmel. Tucholsky war Feinstilistiker. Und Überlebenskunstbewunderer. Seine Erfahrungen im Ersten Weltkrieg machten ihn zum radikalen Antimilitaristen. Als Zeitkritiker wurde er angefeindet. War gefürchtet. Hat er überlebt. Seine Fragen und Wahrheiten sind auch die Fragen und Wahrheiten der Gegenwart. Aber wie bringt man das heute über die Rampe? Es gibt Vertonungen, die gehören seit Tucholskys Zeiten zum Repertoire. Die „Igel in der Abendstunde“, zum Beispiel, diese allerliebst gelungene Satire auf bürgerliche Plüscherotik, die gibt es schon immer in Männerchor-Fassung – und jetzt gibt es sie auch als Tango. Autor und Schauspieler Peter Welk hat da eine verblüffende musikalische Lösung gefunden: Er passt die rhythmisch erzählten Geschichten in Tangos aus den Goldenen Zwanzigern ein. Das geht? Das geht! Beispielsweise die „Igel inder Abendstunde“. Oder „Raffke“, ein bitterböses Gedicht über den sprichwörtlichen Profiteuer und Paradespießbürger. Ein Literaturkonzert steht auf dem Programm mit Zugespitztem in Text und Tango, mit heiter ausgebreiteten Alltagsgeschichten, provozierender Zeitkritik und knisterintensivem Tangorummel.
 

Peter Welk live

Peter Welk

Foto (c) RP-Bild Olaf Staschik

Tango “Raffke” als mp3-Datei >>>

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